Vom Sparkassen Finanzgruppe 70.3 Irainman in Wiesbaden

Ist der Zweite immer der erste Verlierer? Oder gibt es Rennen mit zwei Siegern? Die Frage stellt sich mir, weil ich kein bisschen entäuscht bin und mich absolut wie ein Sieger fühle. Natürlich wollte ich das Rennen gewinnen, aber im Hinterkopf war gleichzeitig der Gedanke, dass ich mich hier, wo ich letztes Jahr gewonnen habe, vor allem nicht blamieren will. Warum so ein Gedanke vom Vorjahressieger? Weil ich einfach gar keine Ahnung hatte wie ich die Langdistanz in Roth weggesteckt habe – offenssichtlich sehr gut.

Als ich drei Tage vor dem Rennen zum ersten Mal in den Wetterbericht anschaute, wusste ich nicht recht, ob ich lachen oder weinen sollte. Schließlich ist Starkregen so ziemlich das schlechteste was einer Großveranstaltung wie Wiesbaden drohen kann. Gleichzeitig habe ich mich aber gefreut, ich wusste, dass dieses Wetter meine Chancen gegen Michael Raelert deutlich erhöhen würde.

Ich weiß aus vielen Regen-Rennen, dass mir diese Bedinungen normalerweise nichts ausmachen, dass ich an manchen Tagen sogar deutlich bessere Leistungen bringen kann. Aber es gab natürlich auch andere Athleten, die unter diesen Bedinungen stark einzuschätzen waren. Filip Ospaly, der erst vor kurzer Zeit ein Rennen in Tschechien mit noch schlechteren Bedinungen gewonnen hatte und natürlich auch Björn Andersson, der kaltes Wetter als Schwede wohl auch gewohnt ist. Dass auch mein Freund Felix Schumann bei diesen Bedinungen gute Leistungen bringen kann, obwohl er ein straffes Rennprogramm hinter sich hatte, war mir klar.

Nach ordentlich Stress vor dem Schwimmstart war mein Adrenalin dann auch so hoch, dass der Start wirklich nicht schlecht war. Ich hatte im Gegensatz zu letztem Jahr gleich eine ganz gute Gruppe und musste aber um dran zu bleiben immer am Limit schwimmen. Das ist eigentlich optimal, weil man dann natürlich das Beste aus sich rausholen kann. Leider ist mir die Gruppe dann nach ca.1000m davon geschwommen. Da hab ich schon sehr mit mir kämpfen müssen, ich hab mich leider in dieser Phase etwas aufgegeben und habe in der Folge sicher eine Minute verloren.

Meine Taktik auf dem Rad war klar. Ich wollte möglichst schnell den Kampf Mann gegen Mann suchen. Unter diesen Umständen ist der Infight meine Stärke. Zum Glück habe ich am Anfang die Abstände nach dem Schwimmen nicht richtig verstanden, sonst hätte ich mitbekommen, dass sich der Abstand zu Raelert und Andersson auf den ersten 20 Kilometern sogar noch um eine Minute vergrößert hatte. Zum Glück war das Feld dieses Jahr deutlich dichter und so gab es immer mal wieder jemand, den man überholen konnte. Danke natürlich an dieser Stelle vor allem an meinen wasserfesten Fan-Klub und an Arne und Harry, die wohl nach dieser Erfahrung in ein Wüstenland auswandern werden. Im Gegensatz zum letzten Jahr habe ich dieses Jahr auf dem Rad vom Gefühl her wirklich einen guten Tag erwischt. Es war aber sicher auch mal eine gute Erfahrung im Rennen damit umgehen zu müssen, dass vorne einer ist, der in meiner Paradedisziplin den Vorsprung noch ausbaut.

Glücklicherweise kam dann aber nach 60km die Information, dass Raelert die Pace nicht mehr mitgehen kann. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auf einen Einbruch von ihm gehofft habe. Der kam aber “leider” nicht. Und auf Ospaly konnte ich auch keine große Zeit gutmachen. Und vor dem Laufen hatte ich im Vorfeld eigentlich am meisten Angst, da ich nach Roth nicht wirklich was hartes trainiert hatte. Dumm war natürlich mein Abstieg vom Rad. Ich bin leider auf der glatten Zeitmessmatte ausgerutscht und aufs Knie gefallen. Zum Glück hat es mich in diesem Moment nicht wirklich behindert.

Das gleiche Schicksal ereilte auch Filip Ospaly, der aber dann in Folge dessen das Rennen leider aufgeben musste. Als mich diese Information erreichte, war klar, jetzt geht es nicht mehr um das Absichern irgendeiner Platzierung. Raelert schien mit einer Minute Vorsprung auch noch nicht außer Reichweite. Ich habe alles riskiert auf den ersten 10 Kilometern und bin bis auf 25sekunden an ihn heran gelaufen. Ich habe genau gewusst, dass, wenn ich erstmal dran bin, es für ihn ganz schierig werden würde mich wieder loszuwerden. Bei einem Fernduell wäre der Ausgang schon von Anfang an klar gewesen. Aber wie gesagt Mann gegen Mann hätte ich mir gute Chancen ausgerechnet. Leider ist die Rechnung nicht aufgegangen. Ich konnte zwar schnell auf den zweiten Platz vorlaufen und in 10 Kilometern mehr als vier Minuten auf Andersson gut machen, aber dann war der Akku total leer. Mir war sofort klar, dass es nicht mehr reichen würde. Ich bin aber mit dem Vize-Europameister-Titel super glücklich.

Viele sagen, wenn ich Roth nicht in den Beinen hätte, hätte ich das Rennen gewonnen. Das ist nicht richtig. Genau so kann man sagen, wenn es 35°C gehabt hätte, hätte Raelert mit 5min Vorsprung gewonnen usw. Nach einem Rennen gibt es kein wenn und aber. Mein Glückwunsch geht an den verdienten Sieger Michael Raelert. Trotz aller Freude gibt es eine sehr traurige Nachricht. Ein Staffelschwimmer ist am Sonntag leider Verstorben. Meine Mitgefühl gilt der Familie des Verstorbenen.

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